| Ein demokratischer Akt Von der Schwierigkeit, Politiker zu sein - Glosse von Karina Eggers - |
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Sie haben es wirklich nicht leicht! Nein, im Ernst, Politiker in diesem Land zu sein, ist wirklich eine Herausforderung! Sie haben einen schweren Beruf oder kennen Sie einen Parlamentarier, der NICHT zumindest hin und wieder der wütenden Kritik des Volkes ausgesetzt ist? Dabei ist diese Spezies nicht mal allein, so dass man mit einem tadelnden „Nicht alle auf einen!“ die Meute zur Ruhe bringen könnte! Knapp 600 sogenannte Volksvertreter zumindest sollten annähernd so viele Personen zu zählen sein hocken in der Regel vier Jahre gemeinsam in einem Raum. Während sich die einen mehr in die linke, die anderen mehr in die rechte Ecke drücken, steht auf alle Fälle immer ein Mitglied der illustren Gemeinschaft vorn am Pult und blökt ins Auditorium. Ganz sicher ist es eine Grundvoraussetzung, eine gewisse Extrovertiertheit und Eitelkeit in den Charakterzügen vorweisen zu können, um einen ernst zu nehmenden Politikerstatus zu erreichen. Dass damit aber auch unvermeidbar wildes Gestikulieren und laute Sprachattacken verbunden sein müssen, hat mich lange Zeit verwundert. Was bringt scheinbar kluge Denker unseres Bundestags bloß dazu, sich aufgrund eines vor ihnen aufgebauten Mikrofons, das ohnehin schon die Stimme verstärkt, und des Wissens über die eventuelle spätere Ausstrahlung ihres Auftritts im Fernsehen vor einem Millionenpublikum, aufzuführen, als müsste gleich der Arzt kommen?! Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, man sei am Abend des Rosenmontags als typischer Norddeutscher in die Hölle der „Wir lasse de Dom in Kölle-TV-Übertragung“ geraten. Doch wir können es überall nachlesen: Diese Menschen regieren unser Land! Für den Bürger sind die Inhalte zwar schwer verständlich, Debatten kaum transparent und Entscheidungen nicht nachvollziehbar, aber, seien Sie ehrlich, in die italienische Oper gehen Sie doch auch nicht, um jedes Wort zu verstehen, oder? Auf das Gesamt-Kunstwerk kommt es schließlich an!
Was mich jedoch etwas irritiert, ist, dass jeder in diesem Land für jedes Schauspiel zu zahlen hat, egal, ob er sich das Programm ausgesucht hat oder nicht. Das läuft doch sonst nicht so! Im Theater darf ich sogar die Preiskategorie wählen, bevor ich mein Portemonnaie ziehe. Und auch Kino- und Konzertbetreiber wollen erst dann mein Geld, wenn ich mich deutlich für eine Vorstellung entschieden habe. Oder kommen jetzt schon echte Schauspieler ungefragt in mein Wohnzimmer, um mir gleichzeitig mit dem neuesten Schlager ein teures Monats-Abo verkauft zu haben? In jedem Fall plädiere ich dafür, die Mitglieder der politischen Bühne künstlerisch stärker zu fördern. Stimmbildung könnte ich mir vorstellen oder Pantomime vielleicht! Wenn letztlich für jeden Geschmack etwas dabei ist, würden die kritischen Stimmen mit der Zeit bestimmt auch leiser und das Politikerleben erträglicher. Vielleicht sollte sich der ein oder andere wirklich Unbegabte auch ein Beispiel an Fidel aus Kuba nehmen: Damit er nicht abtreten muss, versteckt er sich einfach vor seinen Wählern, gibt aber soviel muss der Fairness halber gesagt sein in regelmäßigen Abständen seinen Auftritt im Voll-Playback zum Besten! In diesem Sinne: The show must go on! Ihre
P.S.: In den USA ist die Entwicklung bereits weiter vorangeschritten. Der Schauspieler-Beruf ist dort schon seit langem die Vorstufe zum Politiker-Dasein! P.P.S.: Ich möchte ausdrücklich hinzufügen, dass es auch unter der beschriebenen Berufsgruppe wertvolle und authentische Ausnahmen gibt! |
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