Abgeordnete der münsterschen Arbeitsagentur, des LWL, des Vereins Lernen fördern und der buw Unternehmensgruppe begrüßten mit Nadin Bützow und Tanja Kerz zwei neue, schwerbehinderte Kolleginnen bei der buw Unternehmensgruppe. Gemeinsam sprachen sie über Hürden und Hilfen bei der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in das Arbeitsleben.
Ludger Lünenborg zeigt sich erfreut über die gelungene Vermittlung. „Wir machen im Grunde genommen Matching, schauen also, in welchem Bereich die von uns betreuten Personen ideal arbeiten können“, bringt der Vorstand des Vereins Lernen fördern e.V. die Rolle seiner Einrichtung auf den Punkt. Nach mehr als 50 erfolglosen Bewerbungen hatte Nadin Bützow seinen Verein bei der Arbeitssuche um Hilfe gebeten.
Seither fährt Nadin Bützow jeden Morgen 40 Kilometer zur Arbeit - gemeinsam mit Ihrer Freundin Tanja Kerz. Die Strecke wäre an sich nicht ungewöhnlich, wären die beiden nicht schwer sehbehindert, beziehungsweise, wie im Fall von Tanja Kerz, vollständig blind. Nach einem schier endlosen Bewerbungsmarathon hat es jetzt mit einer festen Anstellung geklappt. Die beiden arbeiten seit einem halben Jahr in Münster bei buw, einem Dienstleister für telefonischen Kundenservice. In den Bürojob begleitet wurden Tanja Kerz und Nadin Bützow vom Verein Lernen fördern e.V., dem Integrationsamt des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe und den zuständigen Arbeitsämtern. Gemeinsam mit den beiden Frauen trafen sich Vertreter der beteiligten Organisationen gestern bei buw in der Loddenheide und sprachen über das erfolgreiche Zusammenspiel der Instanzen.
Daniel Benzenhöfer, Geschäftsführer der münsterischen buw Niederlassung, sieht sein Unternehmen auf dem richtigen Weg: „Von unserer rund 750 Mitarbeitern in Münster sind aktuell 5,7 Prozent behindert.“ Angesichts der demografischen Entwicklung und des steten Mitarbeiterbedarfs soll sich dieser Anteil noch erhöhen. Ein Umstand, der Dr. Thomas Gahlen, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Münster, freut. Nicht nur in seinem Verantwortungsgebiet ist die Summe schwerbehinderter Arbeitsuchender seit Jahren beinahe konstant, trotz allgemein rückläufiger Arbeitslosenquoten.
Wie die Arbeitsagentur kümmert sich in Münster auch der LWL um die technische Ausstattung behinderter Menschen am Arbeitsplatz. Michael Große-Drenkpohl vom Integrationsdienst des Landschaftsverbandes erklärt, wie wichtig eine individuelle Ausstattung am Arbeitsplatz ist. „Es hilft nichts, wenn ein Mensch mit Behinderung am Arbeitsplatz trotz technischer Hilfsmittel zehn Minuten für eine Aufgabe benötigt, die ein gesunder Kollege in zehn Sekunden erledigen kann.“ Vielmehr komme es darauf an, Hilfsmittel bereitzustellen, die ein vergleichbares Arbeiten ermöglichen. Nur dann seien sowohl dem Beschäftigten als auch dem Arbeitgeber geholfen.
Zur Ausstattung von Tanja Kerz gehört neben einem speziellen Headset und einer Software, die Bildschirmtext in Sprache verwandeln kann, auch eine so genannte Braillezeile, die geschriebene Informationen ertastbar macht. Die professionelle Technik ist nicht günstig - für ein Unternehmen kommen schnell Investitionen im fünfstelligen Bereich zusammen, die allerdings über Ausgleichsabgaben erstattet werden können.
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